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29.07.2007 19:37 Alter: 3 yrs
Rubrik: Beiträge, Bewegung, Politische Kommentare, Sonstiges, Jürgen
Von: Jürgen

Der Bürgerfunk wird platt gemacht

Da hat sich die Politik ja ein schönes Geburtstagsgeschenk überlegt: homolaber feiert in diesem Jahr seinen 15. Geburtstag und gleichzeitig wird der Bürgerfunk in Nordrhein-Westfalen halbiert!


Am 7. Februar 1992 ging in Dortmund zum ersten Mal das schwul-lesbische Radiomagazin auf Sendung. Damit gehört homolaber zu den ältesten Bürgerfunkmagazinen der Stadt und des Landes. Vor 15 Jahren hatten sich einige Journalistik-Studenten der Uni zusammen gefunden, um schwul-lesbische Themen öffentlich zu machen. Damals war das noch gar nicht so einfach. Auf diese Weise hat homolaber einen Beitrag zum Coming Out der Stadt Dortmund geleistet. Ob in der Pommesbude am Hauptbahnhof oder auf der Rückfahrt vom BVB-Spiel, überall hört man einmal im Monat den homolaber-Jingle, die Miss-Marple-Melodie. Und das ist auch gut so! Viele mögen denken, dass das Radio nur nebenbei dudelt. Doch wir werden immer mal wieder auf die Sendung angesprochen. Und wahrscheinlich hören auch mehr Heteros als Homos zu.

Mittlerweile müssen wir nicht mehr hauptsächlich Probleme mit der Homosexualität thematisieren, wie es vor Jahren noch nötig war. Doch genauso wichtig ist es, an allen möglichen Stellen der Gesellschaft präsent zu sein – eben auch direkt im Ohr der Hetero-Hörer.

So trifft es uns genauso hart wie all die anderen Bürgerfunk-Gruppen, dass in NRW der Bürgerfunk eingeschränkt wird: Die Landesregierung hat eine drastische Verkürzung der Bürgerfunkzeiten durchgesetzt und dazu noch die Aufwandsentschädigung für die Radiowerkstätten gestrichen. Immer wird das bürgerschaftliche Engagement gelobt und ausgezeichnet. Doch jetzt werden funktionierende Strukturen, die die notwendige Öffentlichkeit für dieses Engagement schaffen, so mir nichts dir nichts zerschlagen. Denn ohne Moos nix los. Wenn der Radiowerkstatt für den Bürgerfunk bald kein Geld mehr zur Verfügung steht, kann auch schon bald ein kaputtes Mikrophon nicht mehr repariert werden. Und ohne Mikro keine Stimme, die eine Meinung kund tun kann.

Mit Sonderbeiträgen haben wir seit dem Frühjahr unser freiwilliges Engagement und unser 15-jähriges Jubiläum gefeiert. Und jetzt läuft die letzte reguläre Sendung. Denn schon im August greift die Sendezeithalbierung. Unser vorläufiger neuer Sendetermin wird höchstwahrscheinlich der jeweils zweite Sonntag im Monat sein. Voraussichtlich hören wir uns also schon in zwei Wochen wieder. Dann allerdings erst ab 20 Uhr, denn das neue Mediengesetz hat das Bürgerradio nicht nur gekürzt, sondern auch eine weitere Stunde nach hinten geschoben.

Bereits im letzten Jahr haben wir uns Gedanken über die Weiterentwicklung der Medien gemacht. Und es ist nicht beim Denken geblieben: homolaber und das KCR haben inzwischen das Internet erobert. Unter dem Label ohrenstolz|queer auf Sendung gibt es zweimal im Monat Nachrichten, Veranstaltungstipps und interessante Beiträge als Download auf die Ohren. Weitere Informationen gibt’s unter www.ohrenstolz.de. Unsere Alternative für die Homo-Ohren.

Ob homolaber noch über dieses Jahr hinaus weiterhin über den Äther gehen wird – wir wissen es noch nicht. Lasst euch überraschen!