< Ein Abgesang in eigener Sache
09.09.2007 19:24 Alter: 3 yrs
Rubrik: Beiträge, Diskriminierung, Juristisches, Homo-Ehe, Politische Kommentare, Rüdiger
Von: Rüdiger

Schwule Steuern?

Das deutsche Steuerrecht ist ja bekanntlich eine recht komplexe Angelegenheit – und dazu noch ziemlich trocken. Und doch gilt es an dieser Stelle ein paar Worte darüber zu verlieren. Kann man doch daran erkennen, welcher Kulturkampf bis heute in der Auseinandersetzung um die Gleichstellung von Schwulen und Lesben geführt wird.


Aktueller Anlass die die Reform der Erbschaftssteuer. Zu dieser ist die Politik nämlich verpflichtet, seitdem das Bundesverfassungsgericht beschlossen hat, dass die jetzigen Regelungen verfassungswidrig sind.

Endlich, mag da nun die verpartnerte Schwuppe denken. Hat das BVG den Herren Politikern mal deutlich gemacht, dass die Ungleichbehandlung von Homo und Hetero ungesetzlich ist.

Doch zu früh gefreut: Verfassungswidrig ist lediglich, dass das Vererben von Immobilien billiger ist als das Vererben von Geld.

Nun zur Neuregelung: Die Große Koalition ist inzwischen in Verhandlungen eingetreten. Und nun kommt der Knaller: Anstatt Eingetragene Lebenspartner nun endlich gleichzustellen, verlangt die Union die weitere Verschlechterung der Situation.

So möchten die schwarzen Koalitionäre, dass der Freibetrag für heterosexuellen Ehepaare von 307.000 € verdoppelt wird, während der Freibetrag für homosexuelle Eingetragene Lebenspartner von popeligen 5.200 € komplett abgeschafft werden soll.

Nun muss man sich das einmal vorstellen: Da steht die treusorgende Ehefrau am Sterbebett ihres Gatten, und der einzige Trost ist die Aussicht auf das steuerfreie Erbe, die fette Villa oder das dicke Aktienpacket.

Der Eingetragene Lebenspartner dagegen, der seinen Mann vielleicht über Jahre, bis in den Tod, hinweg gepflegt hat, wird vom Finanzamt behandelt als wäre er ein dahergelaufener Fremder. Die treusorgende Gattin der brustkrebserkrankten Lesbe muss sich darum sorgen, ob sie im Erbfall aus dem Haus vertrieben wird, weil sie die zigtausend Euro Erbschaftssteuer nicht bezahlen kann.

Die Mehrheit der Bevölkerung ist in dieser Frage übrigens schon im Diesseits angekommen. Die staatliche Ungleichbehandlung von verpartnerten Schwulen und Lesben findet bei immer weniger Bürgern eine Zustimmung.

Gleichzeitig soll es aber CDU und CSU-Mitglieder geben, die die Homo-Ehe gleich komplett wieder abschaffen wollen.

Hallo? In welchem Mittelalter leben diese hohen Herren von der Union eigentlich noch? Das klingt doch wie eine staatliche Bestrafung für die sexuelle Veranlagung. An der deutschen Heterosexualität soll die schwul-lesbische Welt genesen. Die Hetero-Ehe als Hort der Fruchtbarkeit. Für die Vermehrung des Volkes.

Der Begriff Diskriminierung ist für dieses Ansinnen unzureichend. Es ist schlicht und einfach entwürdigend.

Nun ist für mich persönlich der Zeitpunkt gekommen, von meiner Seite die Konservativen zu diskriminieren:

Aus welchem Wald seid Ihr eigentlich vertrieben worden? Zieht Euch doch bitte zurück in Eure Hetero-Ehebetten, zeugt ein paar gutaussehende Schwule und Lesben und haltet Euch gefälligst aus der Politik raus.