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01.01.1970
Es war schön. 15 Jahre lang.
Es war glamourös. Wir erinnern nur an Mary oder Desirée Nick.
Es war politisch. Wir erinnern uns wehmütig an so manchen bissigen Kommentar von Rüdiger.
Es war nah dran. Sämtliche Gruppen und Lokalitäten haben wir im Laufe der Jahre besucht.
Es war weit gereist. Fremde Länder stellten wir Euch in unseren Urlaubsreportagen vor.
Es war spendabel. Legendär sind die Verlosungen der Catarina Valente CDs.
Es war mitten drin. Der gesellschaftliche Report war immer auf der Höhe der Zeit.
Es war informativ. Mit Nachrichten aus Dortmund, Deutschland und der Welt.
Es war lustig. Von der Witzecke bis zur Radio-Sitcom.
Es war kulturbeflissen. Unzählige Filme und Bücher haben wir besprochen.
Es war sportiv. Es war hip. Und im Dezember wurde es uns bei herzergreifenden Beiträgen warm ums Herz. Und der Grand Prix war jedes Jahr aufs Neue dabei.
HomoLaber - wir werden Dich vermissen.
Äußere gesetzliche Zwänge haben uns dazu gebracht, vom Äther zu gehen.
Vielleicht ist Deine Zeit ja auch vorbei. Denn die jungen Schwulen informieren sich nicht mehr zuerst im Radio, sondern im Internet.
Und für Alle (auch die erwachsenen Schwulen) haben wir zum Schluss noch einen Tipp:
Auf www.ohrenstolz.de hört Ihr im Podcast-Abonnement alle zwei bis drei Wochen aktuelle Nachrichten, Beiträge und Veranstaltungshinweise - so wie Ihr es sei Jahren von HomoLaber gewöhnt seid.
Auf Wiederhören!
Tja, das war’s dann wohl.
Nach über 15 Jahren verabschiedet sich das älteste und das bisher einzig schwule Radiomagazin für Dortmund von Ihnen.
Schwules Radio. Brauchte man das überhaupt noch? Heutzutage, in Zeiten von online-Dildo-Shops, von Homo-Bürgermeistern und von Alibi-Schwuchteln in jeder Soap-Opera – ist es da nicht überflüssig, uns auch noch in die Ohren der lieben heterosexuellen Mitbürger zu drängen.
Aber, lieber Hörer, liebe Hörerin: Was wissen Sie wirklich über Schwule und Lesben - und was wissen Sie über die Schwulen und Lesben in dieser Stadt? Wollen Sie überhaupt etwas über uns wissen.
So gesehen ist schwules Radio genau so überflüssig wie die Bundesliga-Konferenz, der Wetterbericht oder die Staumeldungen: Es interessiert halt nur einen kleinen Teil der Gesellschaft, der Rest hört zwangsläufig zu – und lernt trotzdem was.
Radio-Hören und Zeitunglesen haben eins gemein: Man wird auch auf Themen gestoßen, für die man sich im ersten Moment vielleicht nicht interessiert. Und so haben wir uns in den letzten 15 Jahren ganz gut eingerichtet - in Ihrer ungewollten Aufmerksamkeit. Wir bedanken uns an dieser Stelle dafür, dass wir in Ihrem Gehirn ein paar Ströme für uns beanspruchen konnten.
Die homosexuellen Windungen müssen bei Ihnen jedoch in Zukunft von anderen aktiviert werden, die Regenbogenflagge muss ab sofort von anderen hoch gehalten werden. Vielleicht von den Regenbogen-Borussen im Westfalenstadion. Denn dies sollten Sie nie vergessen: Wir sind überall.
Vielleicht haben Sie durch uns auch etwas gelernt, nämlich dass wir schon da sind: als Arbeitskollege oder Nachbar, als Politiker oder Krankenschwester, als Bruder oder Schwester, als Sohn oder Tochter: Wir alle sind schwul oder lesbisch – manchmal auch beides – auf jeden Fall anders.
Wir von HomoLaber behaupten ganz selbstbewusst, das wir auch einen Beitrag zum Coming Out dieser Stadt geleistet hat. Dortmund ist auch schwul, Dortmund ist auch lesbisch, und dies mit einer Selbstverständlichkeit, die sich bisher auch im Radio ausgedrückt hat.
Zum Abschied habe ich persönlich auch noch einen Wunsch: Nämlich, dass Sie in nicht ferner Zukunft Radio hören und dann feststellen: Was waren das doch für Zeiten, als es in Dortmund noch ein schwules Radio gab. Ich wünsche mir, dass Sie irgendwann denken: Irgendwas fehlt!
Doch nun kappt HomoLaber seine Leitung zum Florianturm ab, wir verabschieden uns von der Welle 91,2.
Wir sagen Tschüss - Wir von HomoLaber – Ihrem schwulen Radiomagazin für Dortmund.